THE SOUND OF SILENCE:
ERSTBE­GEHUNG AM MOUNT FAY, KANADA

Ein Gastbeitrag von Ines Papert

Ines Papert, Luka Lindič und Brette Harrington klettern eine neue Route an der Ostwand des Mount Fay in Kanada und nennen sie „The Sound of Silence – in Memory of Marc Andre Leclerc“. Ines Papert erzählt.

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Die steile Wand über uns war von Wolken bedeckt. Der Schneefall nahm deutlich zu. Als Luka und ich unsere gemeinsame Freundin Brette am Stand­platz erreichten, nahm er ihr die verblei­benden mobilen Siche­rungs­geräte an ihrem Gurt ab und kletterte weiter, ohne ein Wort zu sagen. Keiner von uns sagte etwas. Offen­sichtlich war die Stille vielsagend genug, um in diesem kriti­schen Moment unserer Begehung Worte zu verlieren. Ich denke, so funktio­niert das meistens in einem guten Team.

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Nur eine Idee

Als Luka und ich unsere Sachen für die diesjährige Reise in die Kanadi­schen Rocky Mountains packten, hatten wir definitiv die Ostwand des Mount Fay im Kopf, es war aber nur eine Idee. Luka hatte sie das erste Mal 2016 zusammen mit Marc Andre Leclerc, einem engen Freund, gesehen, aufgrund der schlechten Wetter­ver­hält­nisse jedoch nie bestiegen.

Ende März dort angekommen, stiegen wir zweimal in das „Valley of Ten Peaks“ auf, um nach den Bedin­gungen in einigen anderen Nordwänden zu sehen. Unserer Meinung nach lag noch zu viel ungefes­tigter Schnee am Mount Fay, weshalb wir uns entschlossen, ein paar andere Gebiete zu erkunden und unsere komplette Ausrüstung wieder ins Tal zu tragen.

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Flucht nach vorn

Doch wir sollten Glück haben, denn es stand eine gute Wetter­front mit stabilen Bedin­gungen bevor. Genauso wie unsere Freundin Brette Harrington, die plötzlich vor der Türe stand und den Versuch gemeinsam mit uns wagen wollte. Am 1. April brachen wir mit Ski und Schlitten zu den Conso­lation Lakes auf und weiter zu einer Stelle, von der man die Ostwand des Mount Fay gut beobachten konnte. Gegen 3 Uhr morgens brachen wir auf, um den Spindrifts zu entgehen, die entstehen, sobald die Sonne auf die Wand trifft. Wir kamen gut voran und erreichen bald die ursprüng­liche Route von 1984. Ab den ersten Sonnen­strahlen war Eile geboten: Wir kletterten so schnell wir konnten durch ständigen und stärker werdenden Spindrift. Als wir komplett weiß vom Schnee oben ankamen, hatten wir ein Grinsen im Gesicht und den unteren exponierten Teil der Wand bereits hinter uns.

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„The sound of silence“ – das Video über Ines’ Expedition am Mount Fay, Kanada.
TIME TO TEAM ist Ines’ Keynote Event bei EXPEDITION MARKE.

Falsche Sicherheit

Weil das Gelände vorüber­gehend weniger steil war, kamen wir wieder sehr schnell voran. Zu schnell, wie sich heraus­stellte, denn mitten im Verstieg stürzte ich ins Seil. Glück­li­cher­weise hatten wir uns per ‘running belay‘ gesichert, aber es erinnerte uns und vor allem mich daran, vorsichtig zu sein. Im großen Schnee­kegel mitten in der Wand trafen wir dann auf erste ernstere Probleme. Richtig tiefer Schnee erschwerte uns das Voran­kommen. Wir hatten einfach keine Chance, den senkrechten bis leicht überhän­genden Schnee, der einfach nichts hielt, zu klettern. Doch nach einiger Zeit fand Luka eine kletterbare Lösung für diesen Teil: Ein steiles System an Rissen. Wir waren uns alle einig, dass wir einen Versuch wagen sollten, bevor wir aufgeben.

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The Point of no Return

Luka begann mit einer Mischung aus freiem und techni­schem Klettern durch das Dach zu klettern, um über der Dachkante einen Stand für uns zu bauen. Der Schnee war furchtbar schlecht und wir hatten sehr mit ihm zu kämpfen bis wir endlich eine Stelle erreichten, wo wir die Nacht verbringen konnten. Am nächsten, eiskalten Morgen schien uns der Gipfel zum Greifen nah. Doch der Schein trog. Das Gelände wurde wieder steiler, der Fels brüchig und es war sehr schwierig einen Weg zu finden, der uns nicht in eine Sackgasse führte. In den nächsten Stunden sprachen wir nicht viel und arbei­teten gut zusammen im Team. Jeder tat was sie oder er konnte, um uns aus dieser Lage zu befreien. „The Point of no Return“ war schon lange überschritten.

Ein lauter Schrei

Bald kamen wir in einen Schnee­sturm und der Tag neigte sich dem Ende, was unsere Lage noch ernster machte. Endlich waren wir kurz unter dem Ausstieg, mögli­cher­weise unserer letzten Seillänge angekommen. Wir waren so nah dran und dennoch so weit weg, da überhän­gende Wechten den Weg zur anderen Seite des Berges versperrten. Zum Glück gab es gerade ausrei­chend Struktur im Felsen, um daran vorbei­zu­kommen. Endlich, als Brette und ich Luka, der schon oben auf dem Gipfelgrat wartete, im letzten Tages­licht erreichten, explo­dierten unsere Glücks­ge­fühle und mit einem lauten Schrei kündigten wir eine sehr kurze aber definitiv intensive Zeit am Gipfel an.

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The Sound of Silence

Der Abstieg führte uns über die Rückseite des Berges zu einem großen Plateau. Dank GPS fanden wir trotz starkem Schneefall und Nebel den Weg zur Neil-Cogan-Hütte, wo wir gegen Mitter­nacht und nach einer gefühlten Ewigkeit ankamen. Glück­li­cher­weise war sie unver­schlossen und schlag­artig setzte Müdigkeit ein.

Ich bin sehr stolz auf uns, unseren Stil und unsere neue Route. In Marcs Gedenken nannten wir sie „The Sound of Silence“. Brette sagte uns, er wollte einer ganz beson­deren Route diesen Namen geben und diese Route war etwas ganz Besonderes.
Leider kam es nie dazu, da sein Leben 2018 ein viel zu frühes Ende nahm.

Text: Ines Papert
Copyright Fotos: Ines Papert

Dies ist ein Gastbeitrag der Eisklet­ter­welt­meis­terin und Alpinistin Ines Papert.

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Ines ist Keynote Speaker unserer Event- und Vortrags­reihe EXPEDITION MARKE live, wo sie über Visionen, mentale Stärke und Teamführung berichtet.

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