Der auf dem Rad schläft:
Extrem­aben­teurer Jonas Deichmann

Der Profi-Abenteurer und Extrem­sportler Jonas Deichmann lebt von und für seine Passion. Eine Wohnung hat er nicht. Aktuell absol­viert er als erster Mensch einen weltum­span­nenden Triathlon, wobei wir ihn medial begleiten und immer wieder auf unseren Kanälen berichten. Kurz vor dem Start haben wir mit ihm gesprochen.

Extrem­aben­teurer Jonas Deichmann (33) radelt 2019 vom Nordkap bis Kapstadt in 72 Tagen – Weltrekord!

XM: Jonas, Danke, dass Du so kurz vor dem Start Deines bislang größten Projekts noch Zeit hast, kurz mit uns zu sprechen – wo bist Du gerade?

Jonas: Bei meiner Mutter, 4.000 Bücher signieren, die gerade vom Verlag angeliefert wurden. Das heißt stundenlang Still­sitzen – ein Horror (lacht).

XM: Wobei Du bei Deinen wochen­langen Ultra-Abenteuern doch auch sehr geduldig sein musst, oder nicht?

Jonas: Stimmt schon, aber da bin ich ja dauernd in Bewegung, erlebe Neues und muss mich ständig konzentrieren.

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26. September 2020: Jonas auf dem Odeons­platz in München zum Start seines neuesten Abenteuers „Triathlon 360 degree“ – einmal rund um die Welt im Triathlonmodus.

Ich weiß, was ich leisten kann

XM: In wenigen Stunden wirst Du von München aus für ein Jahr im Triath­lon­modus die Welt umrunden – aufgeregt?

Jonas: Ja und Nein. Ja, weil ich ob des begin­nenden Medien­hypes gerade merke, welche Geister ich mit meiner Ankün­digung gerufen habe. Nein, weil ich weiß, dass ich das leisten kann.

XM: Keine Sorge vor Russland? In Deinem Buch Cape to Cape beschreibst Du die Passage durch dieses Land auf dem Weg vom Nordkap nach Kap Horn als „echten Horror“.

Jonas: Das war sie auch. Der Verkehr und das Wetter dort sind schon krass. Aber ich hoffe mal, das wird im sibiri­schen Winter nicht das eigent­liche Problem.

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Vorbe­reitung in der Kälte­kammer der Deutschen Bahn auf die Sibirien Durch­querung per Rad im Winter.

Ich habe geübt, um bei ‑25 Grad einen Platten zu flicken

XM: Du fährst im Winter per Fahrrad durch Sibirien? Hätte man das nicht anders planen können?

Jonas: Schon, aber die Südrouten sind politisch viel insta­biler und Kälte kann man in den Griff bekommen, wenn man sich ausrei­chend vorbe­reitet. Gestern war ich deshalb zum Beispiel in der Kälte­kammer der Deutschen Bahn und habe geübt bei minus 25 Grad einen Platten zu flicken.

XM: Du bist Perfek­tionist, gibst alles für Deine Ziele – im Buch kommt das manchmal fast schon etwas verbissen rüber. Keine Sorge irgendwann mal zu bereuen, dass Du zwar alle Länder durch­messen, dabei aber immer nur auf die Uhr geschaut hast?

Jonas (überlegt): Ich weiß, was Du meinst. Die Story im Buch ist natürlich verdichtet. In Echt steht für mich das tägliche Erlebnis im Fokus. Aller­dings kommst Du bei solchen Projekten vom stunden­langen Verweilen an einem Ort natürlich auch nicht ans Ziel. Der Rekord ist letztlich eine angenehme Neben­sache, für mich als Profi jedoch aktuell medial natürlich nicht unwichtig.

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18.000 km legt Jonas bei „Cape to Cape“ zurück. Ab Ägypten völlig allein und ohne Support. Furcht­bares Wetter, Polizei­schikane und eine heftige Lebens­mit­tel­ver­giftung sind nur einige der Schat­ten­seite seiner Challenge.

Ein CO2-neutraler Lebensstil ist mir wichtig

XM: Nun bist Du bald Mitte dreißig – schon mal über den Jonas in 20 Jahren nachgedacht?

Jonas: Das Gute am Ultra­distanz­sport ist, dass man auch noch mit Mitte fünfzig auf höherem Niveau mithalten kann. Aber Du hast schon Recht: Irgendwann wird es wohl mehr um Abenteuer und weniger um Speed gehen. Das wäre für mich aber auch OK, solange ich tun kann, was mir Spaß macht.

XM: Du lebst ohne Wohnung. Was heißt das genau?

Jonas: Dass ich draußen schlafe – im Zelt oder Biwaksack – und mich überall hin mit dem Fahrrad bewege, auch zu meinen Vorträgen. Ein CO2-neutraler Lebensstil ist mir wichtig und ich ziehe das durch. An zwei Orten in Europa habe ich aber einen großen Rucksack und die Möglichkeit dort auch mal für längere Zeit unter zu kommen.

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Am 25. November 2020 kommt Jonas nach 54 Tagen im Wasser in Dubrovnik an. Er ist ab Karlobag 456 km an der kroati­schen Küste entlang geschwommen.

Am meisten freue ich mich aufs Schwimmen

XM: Eine Frage noch – Du sagtest ja Triath­lon­modus. Wo genau wirst Du die Distanz schwimmend zurücklegen?

Jonas: An der Adria beispiels­weise. Über etwa 400 Kilometer. Dabei werde ich ein selbst­ge­bautes Floß mit dem Nötigsten hinter mir herziehen. Darauf freue ich mich fast schon am meisten, weil es so anders ist als Radfahren oder Laufen. Letzteres werde ich übrigens durch die USA.

XM: Danke Dir für das Gespräch, bleib gesund und viel Glück.

Interview und Text: Markus
Fotos: Jonas Deichmann
Foto in Istanbul: @Daniel Rintz

Seinen Film „Cape to Cape“ kann man sich auf vimeo ansehen. 

Das Buch „Cape to Cape“ ist im Delius Klasing Verlag erschienen. 

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