Laura Schmidt: Es braucht nicht immer alles überall und jetzt

Die Augsbur­gerin Laura Schmidt begleitet Polar­ex­pe­di­tionen. Als Eisbä­ren­wäch­terin hat sie das Forschungsteam des Eisbre­chers Polar­stern während „MOSAiC“, der größten Nordpol­ex­pe­dition aller Zeiten, vor den größten Landraub­tieren der Erde bewacht.

Ab sofort ist sie ein Teil unseres #NORMAL­ROU­TEN­VER­LASSER-Teams und wir werden sie von nun an regel­mäßig auf ihrem Weg durch den Norden begleiten. Laura im Gespräch darüber, wie es ist, stundenlang auf das Eis zu starren und monatelang „nichts“ zu sehen.

Laura_Interview_03

XM: Laura, herzlich willkommen hier bei uns. Wie ist es so zurück in der Zivilisation?

Laura: Danke­schön. Sehr ungewohnt. Erst gestern stand ich in den Tölzer Bergen und habe mir gedacht: Schon komisch – für die Leute hier ist das die Wildnis. Dabei gibt es keine gefähr­lichen Tiere und es sind überall Schilder, Wege, Gasthöfe und ein flächen­de­ckendes Handynetz.

XM (lacht): Du lobst das bayrische Handynetz? Da dürftest Du aber eine der wenigen sein.

Laura: Weißt Du, wenn man wochenlang mit seinem Smart­phone vom Schiff im Nordmeer aus nur 50 KB große Fotos versenden und ansonsten mit zu Hause nur per teurem Satel­li­ten­te­lefon sprechen konnte, verändern sich die Maßstäbe. Ich finde, es braucht nicht immer alles überall und jetzt. Wobei das fortwäh­rende „Nichts“ auf dem Schiff schon auch belastend war.

Privat tobt sich die Dipl. Geographin beim Klettern und Bergsteigen aus. Ihre erste Reise-Tour leitete sie 2013 in Finnland und Norwegen

“Eisbä­ren­wäch­terin” Laura beschützte das Forschungsteam des Eisbre­chers Polar­stern während der MOSAiC-Expedition

Sich daran gewöhnen, monatelang “nichts” zu sehen

XM: Als wir während „MOSAiC“ immer wieder per Mail in Kontakt waren, sprachst Du davon, dass Du bisher noch kein einziges Mal die Sonne gesehen hast, Ihr mit Eurem Schiff ungeplant die Scholle verlassen und alle Instru­mente evaku­ieren musstet. Hast Du irgendwann mal Deinen Entschluss bereut, Dich für so lange Zeit einer solchen Situation auszusetzen?

Laura: Nein, nie. Ich wollte an Bord und habe deshalb sogar zwei Wochen allein in einem Hotel­zimmer in Quarantäne verbracht, um die Corona-Regeln einzu­halten. Aber es stimmt, die Zeit war hart und es ist viel passiert. Was letztlich im Hinblick auf Ablenkung ja auch nicht so schlecht ist, wenn man mitten im Nichts feststeckt. Und Sonne gab es wirklich nur an wenigen Tagen, Nebel hingegen dauernd. Das liegt an den kalten Luftmassen, die sich über dem verhält­nis­mäßig warmen Meer bewegen. In der Antarktis ist das genau umgekehrt.

Nach einiger Zeit im eisigen Norden weiß Laura was es heißt, stundenlang aufs Eis zu starren

“Wenn man einem Eisbären gegen­über­steht, war er entweder verdammt leise, oder Du zu unaufmerksam”

Wenn ein Eisbär vor Dir steht, hast du etwas falsch gemacht

XM: Warst Du schon in der Antarktis?

Laura: Nein, aber das wird sich hoffentlich bald ändern. Ich bin schon gespannt auf all die Tiere und ein Umfeld, ohne die ständige Gefahr durch Eisbären. Die Pinguine zum Beispiel, freuen sich, Dich zu sehen und watscheln sofort auf Dich zu. Was Tiere angeht, ist die Antarktis im Vergleich zum Nordpol fast schon eine Art Heidiland in Weiß.

XM: Du hast die Eisbären angesprochen. Wie ist es, auf einmal dem größten Landraubtier der Erde ohne trennendes Zoogitter gegenüberzustehen?

Laura: Also, wenn Du ihm „auf einmal gegen­über­stehst“, war er entweder verdammt leise, oder Du zu unauf­merksam. Das ist mir glück­li­cher­weise nur einmal auf Grönland passiert und es ging gut aus. Während MOSAiC hatte ich während meiner Schichten insgesamt um die dreißig Sichtungen.

XM: Was passiert, wenn Du einen entdeckst und Leute auf dem Eis sind? 

Laura: Dann gibt es ganz klare Abläufe und Regeln wann ich was tun darf und nicht. Im Fokus steht die frühest­mög­liche Infor­mation des Teams, das dann so rasch wie möglich runtermuss vom Eis. Danach geht es darum, dass der Eisbär es sich bei uns nicht gemütlich macht, oder sich an unser Schiff gewöhnt. Töten – und das ist für mich die wichtigste Botschaft an die Öffent­lichkeit – dürfen wir ihn nicht, es sei denn, es sind akut Menschen bedroht. Dann hätte ich im Vorfeld aber Fehler gemacht. Im Zentrum steht somit das, was wir „verbrämen“ nennen: Lärm machen, in die Luft schießen, etc. – er soll mit uns einfach nichts Schönes verbinden. Zu seiner und unserer Sicherheit. Denn Eisbären kuscheln nicht.

XM: 30 Sichtungen in – wie viel – 90 Tagen auf dem Eis? Wie ist das so, 8 Stunden am Tag ins Weiß zu starren und dabei nach weißen Tieren zu suchen? Wird man da nicht paranoid? 

Laura (lächelt): Zunächst mal: Eisbären sind eher gelb. Aber Du hast schon recht. Es strengt brutal an zu wissen, dass die Sicherheit der Leute und des Eisbären selbst von Dir und Deiner Aufmerk­samkeit abhängt. Klar nimmst Du da das Fernglas lieber einmal öfter zur Hand als nötig. Aber das ist nun mal der Job und auch OK. Glück­li­cher­weise habe ich ja nie acht Stunden durch­ge­ar­beitet, sondern habe mich mit anderen Wächtern abgewechselt, oder auch mal andere Ausgucke genutzt.

Laura_Polarstern

Während der Expedition war der Eisbrecher “Polar­stern” Lauras Zuhause

Ich will erzählen, was im Eis vor sich geht

XM: Nun bist Du wieder hier – wie geht es jetzt für Dich weiter?

Laura: Ich schreibe gerade an meinem Buch und plane mittel­fristig – unter anderem ja auch mit Euch – meine Vortrags­tä­tig­keiten deutlich auszu­weiten. Mir ist es wichtig den Menschen davon zu erzählen, was im Eis vor sich geht. Die Welt dort ist so unglaublich schön und ich finde wir haben eine Pflicht, sie für künftige Genera­tionen zu bewahren. Dabei ist der Klima­wandel natürlich ein zentrales Thema, aber nicht das Einzige. Denn mir liegen auch die Auswir­kungen unserer modernen Kultur auf das eher tradi­tio­nelle Leben der Inuit in Grönland am Herzen, mit denen ich einige Monate leben durfte. Ich möchte dazu beitragen, dass wir beginnen, auf die Welt als Ganzes zu blicken – und nicht immer nur auf unseren eigenen Vorteil. Naiv, ich weiß. Aber für mich ist es das wert, sich dafür ins Zeug zu legen.

XM: Danke Dir für das schöne Gespräch. Wir sind auf Deine Geschichten gespannt, finden das überhaupt nicht naiv und freuen uns jetzt schon darauf, Dich dabei zu unterstützen.

Mehr zu Laura Schmidt gibt’s auf ihrer Website sowie auf Instagram.

Über MOSAiC: Im Rahmen von MOSAiC, der größten Polar­ex­pe­dition aller Zeiten, hat sich der deutsche Forschungs­eis­brecher Polar­stern gemeinsam mit einem inter­na­tio­nalen Forscherteam über Monate im Nordmeer einfrieren lassen, um dabei vor Ort mehr über die dortigen Abläufe rund um den Klima­wandel heraus­zu­finden. Die Expedition dauerte von September 2019 bis September 2020 und wurde vom deutschen Alfred Wegener Institut koordi­niert. Projekt­leiter war Markus Rex. Mehr zu MOSAiC.

Interview und Text: Markus

Expedi­ti­ons­fotos: Laura Schmidt

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